Vorsicht Glosse – Aus dem Lebens des Louis Löschnix Teil 5

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Hi Louis hier, der Louis Löschnix von der Freiwilligen Feuerwehr.
Gestern hat sich ein Bürger bei uns beschwert, dass wir ihn neulich wieder geweckt hätten als wir vorbei gefahren seien mit unserem „großen, lauten Auto“. Ich war ja schon kurz davor loszupoltern, dass wir das nicht aus Spaß an der Freude machen, aber mein Zugführer hat das diplomatischer gelöst. Der ist studiert und kann sich ehrlich gut ausdrücken, obwohl er noch recht jung ist. Der hat unserem Gast dann ganz freundlich mal auf eine Runde durch die Fahrzeughalle mitgenommen und dann auf einen Kaffee und ein paar erklärende Worte in den Bereitschaftsraum.

Ich hätte vielleicht noch die §§ 35, 38 StVO mit Sonderrechten und Wegerechten zusammen bekommen und dass wir gesetzlich verpflichtet sind, „die Leute zu wecken“, also mit blauem Blinklicht und Martinshorn zum Einsatzort zu fahren, aber der Zugführer hatte da noch mehr zu erklären.
Angefangen hat er ungefähr so: „Sehen Sie, im Normalfall werden wir über diese Funkmeldeempfänger alarmiert und bekommen ein Einsatzstichwort.“ Ich hab da an einen früheren Kameraden hier denken müssen, der umgezogen ist und mal erzählt hat, dass es da auf’m Dorf wo er jetzt wohnt einfacher ist, weil im Einsatzfall jeder im Dorf vorgewarnt ist, dass gleich die Feuerwehr kommt, wenn die Sirenen gehen. Da wüssten selbst die Kinder, dass es heißt: „mit dem Fahrrad von der Straße, gleich kommt die Feuerwehr, weil es einen guten Grund dazu gibt.“ Aber nachts weckt eben die Sirene schon all die, die vielleicht sonst später das Martinshorn hören würden.
Dann hat er zwar kurz auch die Rechtslage erklärt und dass wir sonst voll haften, wenn etwas passiert und wir ohne „optische und akustische Warneinrichtungen“ unterwegs sind, aber er hat das nicht als Rechtfertigung vorgeschoben.
Richtig Wirkung haben da ein paar Blicke auf vorbeifahrende Autos am Feuerwehrhaus gewirkt. Nach Hinweisen erkannte auch unser mittlerweile recht freundlich dreinblickender Gast, dass es Rettungskräften manchmal nicht einfach gemacht wird mit dem Durchkommen. Denn trotz den großen roten Autos bekommt mancher Autofahrer und teilweise sogar Radfahrer oder Fußgänger gar nicht mit, dass Feuerwehr, Rettungsdienst oder Polizei eilig vorbei müssen. Autoradio, Kopfhörer, Smartphone, fehlende, falsch eingestellte oder ungenutzte Spiegel oder einfach Unwissen über richtiges Verhalten beim Erblicken eines Einsatzfahrzeuges, welches mit Sonderrechten unterwegs ist, sind alles vermeidbare Punkte im Einsatzfall.
Und dann hat mein Zugführer noch gefragt, wie oft wir ihn denn im letzten Jahr geweckt hätten. Aber nach dem Hinweis dass wir zu ungefähr 50-60 Einsätzen in seine Richtung ausgerückt seien und sein Haus passiert hätten, verkniff sich unser Gast eine Antwort, weil wir anscheinend doch oft genug auf das Martinshorn verzichtet hatten, wenn es die Verkehrslage erlaubte. Und der Maschinist somit die volle Verantwortung für sein Verhalten und das der anderen Verkehrsteilnehmer auf seine Schultern geladen hat.
Und der beste Tipp gegen das „Vom-Martinshorn-geweckt-werden“ ist sowieso die aktive Mitgliedschaft in der Feuerwehr. Denn dann ist man meist schon wach und angezogen wenn das Horn erklingt. Das Horn von dem Löschfahrzeug das der Maschinist lenkt um unseren wortgewandten Zugführer, meinen Kumpel vom Angriffstrupp, mich und den Rest der Kameraden zum Einsatzort zu fahren und schnellst möglichst allen Schaden abzuwenden.