Vorsicht Glosse – Aus dem Lebens des Louis Löschnix Teil 13

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Hallo Freunde, hier ist mal wieder Louis Löschnix von der Freiwilligen Feuerwehr.
Also entweder bin ich jetzt endgültig zu alt für diese Welt oder die Welt wird ganz rapide immer komischer.
Mit Smartphones und dem Internet immer und überall habe ich mich ja engagiert, nicht angefreundet, aber wir akzeptieren uns gegenseitig.
Und mit der Sprache und den Gegebenheiten der Jugend von heute, naja da kann ich noch drüber schmunzeln, das klappt also auch. Immerhin bleibe ich ja ein bisschen am Ball, was das angeht, durch die Kids aus der Jugendfeuerwehr und deren Betreuer.

Aber jetzt wo alle mit dem Blick auf das Handydisplay durch die Gegend laufen und irgendwelche digitalen Tierchen jagen, verlässt mich wirklich der Glaube an die Menschheit. Von diesen Pixelviechern, also Pokémon, dachte ich eigentlich, dass sie Anfang der 2000er-Jahre in irgendwelchen bunten Game Boy Spielekassetten eingemottet worden wären.
Neulich habe ich gelesen, dass die Kombination aus Pokémon Go und lautlosen Elektroautos dieser Generation zum Verhängnis wird. Da wird was dran sein.

Richtig lustig wurde es aber, als neulich, kurz nachdem das Handyspiel hier in Deutschland rauskam, die Pokémons auch in unserer Einsatzabteilung mal Thema wurden. Nein, wir haben keinen Pikachu oder Pummeluff in der Feuerwehr hocken oder eine Kampfarena für die Pixelviecher auf dem Hof und deshalb jeden Tag 100 Leute vor der Feuerwehr stehen. Das war noch viel besser...
Also so im Nachhinein betrachtet zumindest, nachdem sich Unverständnis, Kopfschütteln und Lachen gelegt hatten.
Denn unsere Freiwillige Feuerwehr wurde nachmittags unter dem Einsatzstichwort "Person in Notlage" alarmiert. Bis dahin war das ja noch ganz normal, das kommt ja häufiger vor. Also wie immer, Autoschlüssel packen, Schuhe an und los zum Feuerwehrhaus. Dann umziehen, schauen wer da ist und das erste Auto besetzen.
Aber der Funkverkehr mit der Leitstelle wurde dann zu einem Dialog, den es zwei Wochen früher noch nicht gegeben hätte. Irgendwann während der Übermittlung der Einsatzdaten, also was genau gemeldet wurde und wohin die Fahrt geht, fiel dann das Stichwort "Pokémon-Spieler auf Baum". Und auch nachdem wir ein paar verwirrte Blicke ausgetauscht hatten und nochmal nachgefragt haben, blieb es dabei.

Uiuiui, da hat wohl einer, ganz wie es sonst höchstens Katzen tun, auf dem Weg nach oben seine Kletterkünste für den Rückweg überschätzt. Nur hat der keine Maus gejagt, sondern anscheinend mit Pokébällen so ein Rattfratz, Glurak oder Bisasamvieh in der Baumkrone fangen wollen.
Unsere Hilfe brauchte er dann aber nicht mehr, weil sich Nachbarn erbarmt haben, dem digitalen Jäger, kurz bevor wir um die Ecke gefahren kamen, eine Leiter anzustellen.

Mensch Meier, jetzt bin ich schon steinalt und habe auch mehr als genug verschiedene, verrückte und absurde Einsätze auf dem Buckel, aber das ist nochmal ne Geschichte, die ich meinen Enkeln erzählen kann. Die wundern sich dann bestimmt, dass der alte Mann jetzt plötzlich sogar aktuelle Spiele der Neuzeit kennt und nicht nur von Atari und Commodore 64 erzählt.
Ich bin gespannt, was uns da noch so erwartet in der weiten Welt der spannenden Einsätze und welche fast vergessenen Spiele noch so ein Revival erleben.